Kimchi ohne Fischsauce ist keine Notlösung, sondern eine saubere pflanzliche Variante, die mit Salz, Schärfe und Umami genauso viel Charakter haben kann wie die klassische Version. Entscheidend sind die richtige Menge Salz, eine stimmige Paste und ein sauber geführter Fermentationsprozess. In diesem Artikel zeige ich dir ein praxistaugliches Rezept, passende Ersatzzutaten und die Punkte, an denen Kimchi in der Küche typischerweise scheitert.
Die wichtigsten Punkte auf einen Blick
- Für die Fermentation brauchst du Fischsauce nicht, denn getragen wird Kimchi von Salz, Milchsäurebakterien und einem luftarmen Glas.
- Sojasauce oder Tamari, Miso, Kombu und getrocknete Shiitake bringen die Tiefe zurück, die sonst oft fehlt.
- Für 1 kg Chinakohl sind 25 bis 30 g Salz ein guter Ausgangspunkt.
- Bei 18 bis 22 Grad wird Kimchi meist nach 3 bis 7 Tagen harmonisch, im Kühlschrank reift es weiter.
- Zu wenig Salz, zu viel Luft im Glas und ein zu warmer Standplatz sind die häufigsten Fehler.
- Junges Kimchi passt frisch zu Bowls und Reis, reiferes Kimchi in Pfannengerichte, Suppen und Eintöpfe.
Warum die fermentierte Variante auch ohne Fisch trägt
Kimchi lebt nicht von einer einzigen Zutat, sondern von einem sauberen Zusammenspiel aus Salz, Gemüse, Schärfe und Zeit. Die Fischsauce liefert in der klassischen Version vor allem zusätzliches Umami, also diese tiefe, herzhafte Note, die den Geschmack breiter wirken lässt. Für die Fermentation selbst ist sie nicht entscheidend.
Genau deshalb funktioniert die pflanzliche Variante so gut: Die Milchsäuregärung entsteht durch Salz, durch die natürliche Mikroflora auf dem Gemüse und durch ein Glas, in dem möglichst wenig Sauerstoff bleibt. Ich behandle die Fischsauce deshalb nicht als Pflicht, sondern als eine von mehreren Möglichkeiten, die aromatische Tiefe zu bauen. Wer es bewusst vegetarisch oder vegan halten will, kann also ganz normal fermentieren und den Geschmack über andere Umami-Quellen ausbalancieren.
Praktisch gedacht heißt das auch: Ein gutes pflanzliches Kimchi soll nicht einfach nur scharf und sauer sein. Es braucht Körper. Und genau den holen wir uns jetzt über die passenden Zutaten. Darauf baut die ganze Rezeptur auf.
Welche Zutaten dem Kimchi Tiefe geben
Wenn ich Fischsauce weglasse, ersetze ich nicht blind mit irgendetwas Salzigem. Ich suche nach einer Mischung aus Würze, Rundung und einem Hauch Meeres- oder Pilzaroma. Für ein Glas mit etwa 1 kg Chinakohl sind diese Zutaten in der Praxis am hilfreichsten:
| Zutat | Wofür sie sorgt | Gute Menge für 1 kg Kohl | Mein Eindruck |
|---|---|---|---|
| Sojasauce oder Tamari | Salzige Tiefe und schnelle Würze | 1 bis 2 EL | Zuverlässig, unkompliziert und der beste Einstieg |
| Miso | Runde Fermentnote und mehr Körper | 1 TL bis 1 EL | Sehr stark, deshalb sparsam dosieren |
| Kombu | Leichtes Meeresumami | 1 kleines Stück von 5 bis 7 cm | Gibt Tiefe, ohne das Kimchi schwer zu machen |
| Getrocknete Shiitake | Kräftiges Pilzumami | 1 Pilz fein gemahlen oder als Aufguss | Sehr nützlich, wenn du mehr Komplexität willst |
| Apfel oder Birne | Sanfte Süße und Frische | 1 kleine Frucht | Hilft beim Ausbalancieren, ohne das Kimchi süß zu machen |
Mein pragmatischer Favorit ist Sojasauce plus ein kleines Stück Kombu. Diese Kombination bringt sofort Tiefe, bleibt aber klar und sauber im Geschmack. Wer das erste Mal pflanzlich fermentiert, sollte nicht mit zu vielen Ersatzbausteinen gleichzeitig anfangen, sonst wird die Paste schnell unruhig. Mit zwei gut gewählten Zutaten ist oft mehr gewonnen als mit fünf halb passenden.
Damit ist die Richtung klar, und jetzt kommt der Teil, der in der Küche wirklich zählt, nämlich die konkrete Umsetzung. Ich mache die Basis für 1 kg Chinakohl so.

So setze ich eine pflanzliche Basis für 1 Kilo Chinakohl an
Für ein alltagstaugliches Kimchi brauche ich keine Spezialausrüstung. Ein großes Brett, ein Glas mit 1 bis 1,5 Litern Fassungsvermögen und saubere Hände reichen aus. Wichtig ist eher, dass die Proportionen stimmen und du die Paste nicht zu wässrig anrührst.
Zutaten
| Zutat | Menge |
|---|---|
| Chinakohl | 1 großer Kopf, etwa 1 kg |
| Salz | 25 bis 30 g |
| Möhre | 1 Stück, in feinen Streifen |
| Rettich oder Daikon | 100 bis 150 g |
| Frühlingszwiebeln | 3 Stück |
| Knoblauch | 3 Zehen |
| Ingwer | 15 bis 20 g |
| Apfel oder Birne | 1 kleine Frucht |
| Gochugaru | 2 bis 3 EL, nach Schärfewunsch |
| Sojasauce oder Tamari | 1 EL |
| Miso | 1 TL, optional |
| Reismehl und Wasser | 1 EL Reismehl auf 100 ml Wasser, optional |
| Kombu | 1 kleines Stück, optional |
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Zubereitung
- Den Chinakohl längs vierteln, den Strunk möglichst intakt lassen und die Blätter in mundgerechte Stücke schneiden.
- Mit dem Salz gründlich einreiben, in eine Schüssel legen und 2 bis 3 Stunden ziehen lassen. Zwischendurch einmal wenden, damit der Kohl gleichmäßig Wasser verliert.
- Den Kohl nach dem Salzen kurz abspülen, wenn er sehr kräftig gesalzen ist, und gut abtropfen lassen.
- Für die Paste Knoblauch, Ingwer, Apfel oder Birne, Gochugaru, Sojasauce und optional Miso sowie Reismehlbrei fein verrühren.
- Gemüse, also Möhre, Rettich und Frühlingszwiebeln, unterheben. Ich arbeite dabei am liebsten mit Handschuhen, weil die Paste stark färbt und würzt.
- Alles fest in ein sauberes Glas drücken, bis die Flüssigkeit leicht nach oben steigt. Oben sollten 2 bis 3 cm Platz bleiben.
- Das Glas 1 bis 3 Tage bei Raumtemperatur stehen lassen und täglich kontrollieren. Danach kühl stellen, sobald der Geschmack dir angenehm sauer und leicht prickelnd vorkommt.
Wer es milder mag, reduziert Gochugaru auf 1 bis 2 EL. Wer mehr Tiefe will, kann mit Kombu oder Shiitake arbeiten, aber ich würde nie gleichzeitig an allen Schrauben drehen. Die beste Version entsteht meist dann, wenn Salz, Schärfe und Frucht nur sauber ineinandergreifen. Genau dort entscheidet sich, ob das Ergebnis frisch oder flach schmeckt.
Worauf es bei Salz, Glas und Temperatur ankommt
Bei Kimchi ist die Salzfrage keine Kleinigkeit. Ich arbeite bei einer pflanzlichen Version meist mit 2,5 bis 3 Prozent Salz bezogen auf das Gewicht des Kohls. Bei 1 kg Chinakohl sind das also 25 bis 30 g. Bei sehr festem Winterkohl gehe ich eher an die obere Grenze, bei sehr zartem Kohl reicht oft die untere.
Die Temperatur steuert dann, wie schnell sich der Geschmack entwickelt. Ein Raum mit etwa 18 bis 22 Grad ist ideal für den Start. Dort bilden sich nach 24 bis 48 Stunden meist die ersten Bläschen, und nach 3 bis 7 Tagen ist das Aroma oft schon schön ausbalanciert. Im Kühlschrank läuft die Reifung langsamer weiter, was ich absichtlich nutze, wenn ich mehr Kontrolle über den Geschmack will.
| Phase | Empfohlene Bedingungen | Woran du es erkennst |
|---|---|---|
| Salzen | 2 bis 3 Stunden bei Raumtemperatur | Der Kohl wird biegsam und gibt spürbar Flüssigkeit ab |
| Start der Fermentation | 18 bis 22 Grad für 1 bis 3 Tage | Leichte Bläschen, Druck im Glas, frischer säuerlicher Geruch |
| Reife | 3 bis 7 Tage oder länger, je nach Geschmack | Deutlich runder, würziger und leicht spritziger Geschmack |
| Kühllagerung | Im Kühlschrank mehrere Wochen | Die Säure entwickelt sich langsamer, der Biss bleibt länger erhalten |
Wichtig ist außerdem, dass das Gemüse möglichst unter der eigenen Flüssigkeit bleibt. Ich drücke deshalb immer kräftig nach unten und lasse lieber etwas Rand frei, statt das Glas bis obenhin zu stopfen. Gerade am Anfang entsteht Gas, und das braucht Platz. Damit sind die Grundlagen stabil, und jetzt lohnt sich der Blick auf die Fehler, die ich am häufigsten sehe.
Typische Fehler, die ich bei Anfängern sehe
Die meisten Probleme sind kein Geheimnis, sondern Folge kleiner Ungenauigkeiten. Das Gute daran: Fast alles lässt sich mit wenig Aufwand vermeiden.
- Zu wenig Salz - Der Kohl wird schnell weich und das Milieu kippt. Wenn du unsicher bist, bleib lieber bei 25 bis 30 g pro Kilogramm als darunter.
- Zu viel Flüssigkeit in der Paste - Das Kimchi schmeckt dann dünn und wirkt weniger präzise. Obst also sparsam dosieren und den Kohl gut abtropfen lassen.
- Zu wenig Druck im Glas - Lufttaschen fördern Fehlgärungen. Ich presse das Gemüse immer so fest, dass Flüssigkeit sichtbar nach oben steigt.
- Zu warm gelagert - Dann wird Kimchi oft zu schnell sauer und verliert Biss. Nach dem Start lieber rechtzeitig in den Kühlschrank umziehen lassen.
- Zu viele Ersatzzutaten auf einmal - Miso, Kombu, Shiitake, Sojasauce und viel Obst gleichzeitig machen den Geschmack schwer lesbar. Ich setze lieber auf zwei starke Bausteine statt auf ein Sammelsurium.
Ein sauberer Geruch ist dabei ein gutes Zeichen. Ein dünner weißer Film an der Oberfläche ist oft Kahmhefe und nicht automatisch ein Drama, sofern der Geruch noch normal wirkt. Pelziger Schimmel, rosa Verfärbungen oder ein wirklich fauliger Geruch sind dagegen ein klares Signal zum Wegwerfen. Genau deshalb ist sauberes Arbeiten nicht übertrieben, sondern Teil der Methode. Danach geht es nur noch darum, wie du das fertige Kimchi am besten einsetzt.
Wie du Kimchi servierst und aufbewahrst
Ich unterscheide Kimchi gern nach Reifegrad, weil das die Küche einfacher macht. Junges Kimchi schmeckt frischer und knackiger, älteres Kimchi runder und kräftiger. Beides ist sinnvoll, nur eben für unterschiedliche Gerichte.
| Reifegrad | Passt besonders gut zu | Warum das funktioniert |
|---|---|---|
| 1 bis 2 Tage | Reisbowls, Tofu, Salate, schlichte Beilagen | Der Geschmack ist noch frisch und die Textur sehr knackig |
| 3 bis 7 Tage | Bibimbap, gebratenes Gemüse, vegane Kimbap oder einfache Abendessen | Hier ist die Balance aus Säure, Schärfe und Salz meist am besten |
| 2 Wochen und älter | Kimchi Jjigae, gebratener Reis, Pfannkuchen, Suppen | Mehr Säure ist dann ein Vorteil, weil sie in warmen Gerichten trägt |
Im Kühlschrank hält sich gut geführtes Kimchi oft mehrere Wochen, häufig deutlich länger. Ich plane geschmacklich meist mit einem Fenster von 2 bis 6 Wochen, in dem die Qualität besonders angenehm bleibt. Wichtig ist nur, dass du immer sauberes Besteck verwendest und das Gemüse weiter möglichst unter Flüssigkeit hältst. So bleibt das Aroma sauber und entwickelt sich statt zu kippen.
Welche Feinheiten die pflanzliche Version runder machen
Wenn die Basis einmal sitzt, sind es oft nur kleine Korrekturen, die den Unterschied machen. Für mehr Tiefe nehme ich gern ein winziges Stück Kombu oder einen Hauch Shiitakepulver. Für mehr Frische funktioniert Birne meist eleganter als Apfel, während Tamari eine etwas klarere, glutenfreie Linie liefert als viele klassische Sojasaucen.
Ich würde außerdem nie unterschätzen, wie stark sich die Wahrnehmung nach 24 Stunden verändert. Direkt nach dem Mischen schmeckt Kimchi oft noch laut, salzig und unruhig. Erst nach ein paar Tagen verbindet sich alles zu einem stimmigen Ganzen. Darum mache ich meinen ersten Ansatz bewusst klein, beobachte ihn zwei oder drei Tage und passe erst dann Schärfe, Salz oder Umami beim nächsten Glas an. Genau so wird aus einer pflanzlichen Variante kein Ersatzprodukt, sondern ein eigenes, sehr gutes Kimchi.
